Rechtsanwaltskanzlei Klaus Jakob Schmid in Dachau

Wir leben in einer Welt, in der es immer mehr sog. Patchwork-Familien gibt. Das macht das Vererben unter Umständen nicht unbedingt einfacher. Worauf sollte man zu allererst achten, bei etwas komplizierteren Konstellationen.

Jeder Erwachsene sollte ein eigenes Testament machen. Das Testament muss zu seiner Wirksamkeit vollständig eigenhändig handschriftlich geschrieben und unterschrieben werden. Im Testament sollten zunächst alle bisherigen Verfügungen von Todeswegen widerrufen werden und deutsches Recht für anwendbar erklärt werden. Dann sollte mindestens eine Person als Erbe eingesetzt werden.

Im Erbrecht ist immer wieder von sog. „Freibeträgen“ die Rede. Ist für deren Höhe der Verwandtschaftsgrad von Bedeutung?

Ehegatten haben die höchsten Freibeträge. Danach folgen Kinder, dann Enkelkinder, Eltern, Geschwister, etc. so dass der Verwandtschaftsgrad eine erhebliche Bedeutung hat.

Ist es möglich, mit dem sog. Berliner Testament die Kinder vom Erbe generell auszuschließen?

Ehegatten können sich in einem gemeinsamen Ehegattentestament gegenseitig zu Erben einsetzen und damit die Kinder vom Erbe ausschließen. Die Kinder können jedoch den Pflichtteil fordern, wenn keine Pflichtteilsunwürdigkeit vorliegt.

Und braucht es für ein Berliner Testament unbedingt den Trauschein?

Ein gemeinsames Testament kann nur von Ehegatten errichtet werden.

Wie kann man verhindern, dass bereits eingesetzte Betreuer plötzlich als potentielle Erben auftauchen, vor allem, wenn eine mehr oder weniger berechtigte Skepsis gegenüber dieser Person besteht?

Wer ein Testament macht und testierfähig ist, kann bestimmen, wer Erbe wird. Nur wenn Testierunfähigkeit vorliegt wäre das Testament unbeachtlich oder wenn eine Person erbunwürdig ist, was aber jeweils von dem zu beweisen wäre, der sich darauf berufen möchte.

Nicht jedes Erbe bedeutet ja in jedem Fall immer einen „Zugewinn“. Möglicherweise erbt man ja auch Schulden. Kann man ein solches Erbe auch ablehnen? Auch noch nach konkreter Kenntniserlangung?

Wer ein Erbe nicht annehmen will, muss unverzüglich, meist innerhalb von 6 Wochen, die Erbschaft ausschlagen. Dies kann beim Nachlassgericht geschehen oder beim Notar, wobei die beim Notar beurkundete Ausschlagung beim Nachlassgericht erst noch rechtzeitig eingehen muss. Wer das Erbe angenommen hat und erst später Kenntnis von erheblichen Schulden erlangt, kann versuchen, die Erbschaftsannahme wegen Irrtums anzufechten.

Klaus Jakob Schmid

Rechtsanwalt

Fachanwalt für Erbrecht

Fachanwalt für Familienrecht u.a.